Analoges skizzieren
von Bewegungslinien

Analoges skizzieren von Bewegungslinien

Im Dialog mit der Fokusgruppe

Um die Wahrnehmung und Emotionen der Nutzenden zu untersuchen, organisierte das Team während der Herbstferien ein Treffen mit 20 Kindern zwischen 6 und 10 Jahren der KGS Holt. Der Ablauf für die Aktion beinhaltete eine Kombination aus Befragung und Beobachtung. Gleichzeitig wurde das Treffen dafür genutzt, den Kindern die Sensor-Technik, die in einem Container auf dem Spielplatz steht, zu erklären.

Die Kinder der Fokusgruppe wurden 45 Minuten während des Spiels im Naturspielplatz beobachtet. Vorteile der Beobachtung sind an dieser Stelle, dass das natürliche Nutzerverhalten der Kinder vor Ort direkt und mit vielen zwischenmenschlichen Nuancen festgehalten werden kann. Gerade auch in Zusammenhang mit den Aspekten der Gruppenbildung und -dynamik offenbart eine analoge Beobachtung Aspekte, die digital nicht erfasst werden können.

Dabei konnten anfangs klare Hotspots ausgemacht werden. Die Piratenschlucht, die dazu einlädt mit Stöcken Staudämme zu bauen und das Klettergerüst wurden in größeren Gruppen genutzt. Nach ca. 20 Minuten lösten sich die Gruppen vermehrt auf und spielten frei. Dabei wurde das Strauchlaybrinth für Fangen und Wettrennen genutzt und über die Rasenwelle balanciert. Eine Gruppe älterer Kinder suchte einen ungestörten Platz und kletterte auf das nahe gelegene Fußballtor. Auch die Bänke am Wegesrand wurden genutzt, um zwischendurch eine Trink- und Essenspause einzulegen. Die vom Menschen durchgeführte Beobachtung gibt die Möglichkeit, den Kontext rund um den zu beobachteten Ort zu erfassen. Orte, die außerhalb des Blicks der Sensoren liegen, können im Bezug zum Messfeld beurteilt und analysiert werden. Die beobachteten Bewegungsmuster stimmen mit den ersten digital erfassten Daten überein und geben Aufschluss darüber, welche Bereiche offensichtlich spannend für die Nutzenden sind.

Ziel dieser Aktion war es, zusätzlich zur Evaluation der digitalen Bewegungsmuster,  die atmosphärische Stimmung einzufangen und zu verstehen, wie der Ort genutzt wird. Die Stimmung der Kinder schien ausgeglichen und heiter. Jedoch blieben auch kleinere Diskussionen und Streitigkeiten um die Nutzung eines Bereiches nicht aus.

Gut sichtbar war der Umgang mit Naturmaterialien und das Sammeln neuer Erfahrungen zum Beispiel mit dem Gewicht von Stöcken und dem Gehen auf unterschiedlichen Untergründen. Wenn ein Ast zu schwer war, haben andere Kinder mitgetragen sowie beim wackeligen Balancieren über die Rasenwellen wurde sich eigeninitiativ gegenseitig durch Festhalten geholfen. Hier hat sich gezeigt, dass solche Umgebungen zur Gruppenbildung/-dynamik und Stärkung des Teams beitragen können. Zu beobachten war auch, dass nur durch die landschaftliche Gestaltung der Rasenwellen, ein kreatives Spiel auch ganz ohne Materialien entstanden ist.

Abgeschlossen wurde die Aktion mit den Fragen „Wie findest du den Spielplatz momentan?“ und „Wenn du etwas verändern könntest, was wäre es?“. Dazu konnten die Kinder auf einer großen Karte des Platzes die Orte markieren, an denen sie gerne etwas verändern würden. Stichpunktartig wurde festgehalten, wie diese Veränderung aussehen könnte. Dabei ergab sich, dass die Kinder grundlegend den Platz spannend finden, trotzdem aber folgende Optimierungen vorschlagen würden. Der Spaß am Klettern scheint sehr groß, dennoch haben gerade die jüngeren Kinder Schwierigkeiten, auf die bestehende Kletterwand zu klettern und wünschen sich eine einfachere Konstruktion oder Kletterhilfen. Die älteren Kinder hingegen wünschen sich einen Ort, an dem sie sich zurückziehen können oder auf den sie Klettern können. Ein Baumhaus zum Beispiel mit der Möglichkeit sich hinzusetzen. Gerade das freie Spiel mit Stöcken und Ästen schien großes Interesse zu wecken. Hier wünschen sich die Kinder noch mehr Materialien, um zu balancieren oder Tipis bauen zu können. Das Strauchlabyrinth wird vereinzelt zum Durchrennen genutzt – nach und nach wird dieses Labyrinth dichter und höher wachsen, sodass es auch zum Versteckspiel genutzt werden kann.

Im nächsten Schritt wertet das Team die Aussagen weiter aus, um daraus mögliche Umbauszenarien durchzuspielen. Über den Winter werden die Messungen auf dem Naturspielplatz eingestellt und die Sensortechnik abgebaut, um sie im Labor weiter zu entwickeln.

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